Unternehmenskultur in Deutschland:
Eine zweite Chance nach der Insolvenz!
Wer in Deutschland in Insolvenz gerät, den verfolgt dieses Ereignis ewig. Ein aktuelles Beispiel dazu ist Christian Lindner. Er ist FDP-Fraktionschef im NRW-Landtag und FDP-Bundesvorsitzender. Aber er war eben auch Geschäftsführer der Internet-Firma Moomax GmbH. Die ging einst Pleite, während Lindner politische Karriere machte. Darf man ihm das nach 14 Jahren noch immer vorwerfen?
Die Medien kochen das Thema zur Zeit wieder hoch. Anlass dazu war die Debatte im NRW- Landtag zur Regierungserklärung von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Lindner stimmte ihr zu, Gründungen seien "Ausdruck des Zukunftsvertrauens einer Gesellschaft". Und schon waren sie wieder da, die Schatten der Vergangenheit. Hervorgeholt durch einen Zwischenruf zur Moomax-Pleite von einem SPD-Abgeordneten: Mit Unternehmensgründungen habe Lindner ja so seine Erfahrungen gemacht. Das veranlasste Lindner zu einer „Wut-Rede“, die viel mediales Echo hervorrief. So wurde auch der Vorwurf aufgewärmt, bei der Pleite seien 2 Mio. € „verbrannt“ worden, der größte Teil davon aus Steuermitteln.
Nur: Gilt für Lindner nicht, was für alle Unternehmer gelten sollte: Wer nichts wagt, kann nichts gewinnen. Das Risiko einer Insolvenz gehört zum wirtschaftlichen Leben von Unternehmungen. Und da sollte auch in Deutschland endlich ein Kulturwechsel in der Beurteilung von Insolvenzen stattfinden! Jede Gründung beinhaltet das Risiko des Scheiterns. Aber wenn man den erfolglosen Gründern dieses Scheitern immer wieder vorhält, ist das nicht ermutigend für Andere. Deshalb muss gelten: Gibt den Mutigen eine zweite Chance! Und räumt ihnen das Recht auf Vergessen ein!
Christian Lindner nahm bekanntermaßen seine zweite Chance war, nämlich in der Politik. Steht nun nach seiner Firmen-Pleite die FDP vor der Pleite? Nach der Insolvenz ist vor der Insolvenz?
Soweit ist es noch nicht. Die Zahl der Leute, die dieser FDP Tränen nachweinen würden, ist zwar begrenzt. Aber wir sollten uns an die FDP von Baum, Hirsch und Hamm-Brücher erinnern. Eine solche FDP fehlt durchaus in unserem Parteienspektrum. Und deren Ende hat nicht nur Lindner zu verantworten. Kann aus einer insolventen FDP eine neue Kraft hervorgehen würde? Eine Partei: liberal, Bürgerrechte vertretend, das "Versorgungsamt Staat" kritisch hinterfragend? Eine neue Kraft, die den bestehenden Parteien die Gelegenheit geben würde, wieder wahrnehmbare Positionen einzunehmen, links und rechts von der Mitte? Dann hätte auch diese Insolvenz einen besonderen Nutzen gehabt. Lindner kann ja wieder in die Wirtschaft gehen, eine dritte Chance nutzend.