Beiträge der Arbeitsgemeinschaft der Selbständigen (AGS) in der SPD zum Wahlprogramm Bundestagswahl 2025:
a) Maßnahmen zur Sicherung der Zukunft des Wirtschaftsstandortes Deutschland
Die SPD steht in der Tradition von sozialer Demokratie, Solidarität und wirtschaftlicher Vernunft. Wir, die Arbeitsgemeinschaft der Selbständigen (AGS), verstehen uns als Stimme der Wirtschaft in der SPD. Gemeinsam wollen wir die aktuellen und strukturellen Herausforderungen anpacken, um den Wirtschaftsstandort Deutschland zu sichern und zu stärken. Das schafft Arbeit, Beschäftigung sowie gute Löhne und Gehälter – Grundlage für stabile Demokratie und sozialen Zusammenhalt.
Für uns gilt weiterhin: Die Wirtschaftspolitik muss die Menschen in den Mittelpunkt stellen. Ihre Arbeitsplätze und ihr Wohlstand werden langfristig nur gesichert, wenn wir die richtigen Weichenstellungen treffen.
Unsere Forderungen sind:
- Wirtschaftsstandort attraktiver machen – Rahmenbedingungen für Selbständige und Mittelstand verbessern
Die Transformation unserer Wirtschaft ist nach wie vor das Gebot der Stunde. Das ist eine große Herausforderung für den Mittelstand, weil die Attraktivität Deutschlands als Wirtschaftsstandort maßgeblich von den Rahmenbedingungen für Selbständige und den Mittelstand abhängt. Deshalb ist es notwendig, steuerliche und abgabenbezogene Erleichterungen zu schaffen. Insbesondere müssen die Energiepreise auf ein international wettbewerbsfähiges Niveau gesenkt senken. Dies gelingt durch Absenkung der Energiesteuern auf das EU-zulässige Mindestniveau und zwecks Teilfinanzierung durch Abschöpfung von Übergewinnen.
Gleichzeitig sollten Anreize für Investitionen, vor allem in den Klimaschutz, geschaffen werden, etwa durch verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten.
Um langfristige Zukunftsinvestitionen sicherzustellen, muss zwingend die Schuldenbremse reformiert werden. Bis dahin sollten die verfassungsrechtlich zulässigen Spielräume genutzt werden, etwa durch die Einrichtung von Staats- und Investitionsfonds.
Auch die Entlastung von Kommunen durch Altschuldenregelungen und die Förderung von Werkswohnungen und KMU-Fonds sind zentrale Bausteine, um die Investitionskraft vor Ort zu stärken.
Darüber hinaus treten wir dafür ein, dass die genossenschaftliche Idee wiederbelebt wird. Genossenschaften sind auf ökonomische, ökologische und soziale Nachhaltigkeit ausgerichtet und können einen wesentlichen Beitrag für die Transformation vor Ort leisten. Wir treten daher dafür ein, die Rahmenbedingungen für genossenschaftliches Wirtschaften zu verbessern und für eine Gleichstellung mit anderen Unternehmensformen zu sorgen.
- Selbstverständnis für Unternehmertum in Deutschland stärken
Das Selbstverständnis der Unternehmerinnen und Unternehmer ist in Deutschland zu wenig ausgeprägt. Wir sehen deutlichen Nachholbedarf, das Unternehmertum in unserer Gesellschaft zu stärken und ein positives Bild zu erzeugen. Gerade die KMUs, als starke Säule der Wirtschaft in unserem Land, sind darauf angewiesen. Immer mehr Menschen verstehen Unternehmerinnen und Unternehmer als treibende Kraft für Innovation und wirtschaftlichen Fortschritt. Um dieses Bewusstsein weiter zu stärken, benötigt es eine Stärkung des Selbstverständnisses für Unternehmertum. Dazu wollen wir eine breitere Gründungskultur etablieren, das wirtschaftliche Bewusstsein als Schulfach einführen und eine positive Fehlerkultur fördern. Unsere Forderung auf eine "zweite Chance" im Wirtschaftsleben ist dabei ein wichtiger Bestandteil. Damit braucht es eine breitere Gründungskultur, wirtschaftliche Bildung und eine positive Fehlerkultur. So kann Unternehmertum als Teil des gesellschaftlichen Selbstverständnisses verankert und die Zukunftsfähigkeit des Landes gesichert werden.
Hierzu gehört, dass unsere Forderung zur „zweiten Chance“ im Wirtschaftsleben gefestigt wird.
- Aktive Industriepolitik hilft auch dem Mittelstand
Der deutsche Mittelstand ist mit der industriellen Wertschöpfungskette eng verbunden. Industrie und Mittelstand in Deutschland ergänzen sich. Sie sind vielfältig und regional breit aufgestellt. Deshalb unterstützen wir eine aktive Industriepolitik in der Zeitenwende.
Zur Stärkung und Sicherung des Standorts Deutschland gehören dazu gezielte finanzielle Förderprogramme und andere Maßnahmen, wie eine solide Aus- und Weiterbildung, eine die Traditionen wahrende Gewerbefreiheit auch gegen jegliche Diskriminierung, die Förderung von Start-ups und eine lebendige, kreative und innovationsfreudige Rahmensetzung. Für Handel und Gewerbe gehören dazu Stadtplanung und Städtebau.
Selbstverständlich gehört dazu auch eine gezielte industriepolitische Förderung unserer Schlüsselindustrien wie Maschinen- und Anlagenbau, Automobilindustrie, Chemie und Pharmazeutik, Medizintechnik und Biotechnologie, Elektrotechnik und Elektronik.
- EU-Binnenmarkt stärken – Abbau von Handelsbarrieren und Schaffung fairer Wettbewerbsbedingungen
Der EU-Binnenmarkt ist das Rückgrat der europäischen Wirtschaft. Mit Priorität müssen noch immer vorhandene nicht-tarifäre Barrieren im intra-EU-Dienstleistungssektor abgebaut werden, um einen wirklich offenen Binnenmarkt zu gewährleisten. Dies betrifft insbesondere bürokratische Hürden (z. B. das A1-Formular in einigen EU-Mitgliedstaaten).
Zudem sollten die Unternehmenssteuersätze in der EU mit Steuerkorridoren harmonisiert werden. Damit schaffen wir faire Wettbewerbsbedingungen und verhindern Steuerdumping zu Lasten der Wirtschaft in Deutschland.
Ein starker, fairer und offener Binnenmarkt ist der Schlüssel für die wirtschaftliche Zukunft Europas und damit auch für den Erfolg der deutschen Wirtschaft. Wir sollten uns deshalb für enge Beziehungen einsetzen mit EU-Beitrittskandidaten, Staaten in unserer unmittelbaren Nachbarschaft und von globaler strategischer Relevanz. Dies stärkt die Resilienz, Souveränität und Attraktivität des EU-Binnenmarkts, verhindert Handelskonflikte und begrenzt regulatorische Divergenzen.
- Bürokratieabbau spürbar voranbringen – Digitalisierung und Vereinfachung staatlicher Prozesse
Bürokratische Hürden belasten Selbständige und Unternehmen enorm. Bürokratieabbau ist ein weiteres nicht-fiskalisches und strukturelles Konjunkturförderprogramm. Dies gilt es systematisch zu nutzen. Um den Bürokratieabbau spürbar voranzubringen, müssen unnötige Nachweise, Dokumentationen, Antrags- und Berichtspflichten abgeschafft oder zumindest radikal vereinfacht werden. Die Digitalisierung staatlicher Prozesse ist hier ein Schlüssel. Der gezielte Einsatz von künstlicher Intelligenz ist hierbei förderlich. Die Einführung von One-Stop-Shops für staatliche Dienstleistungen sowie die Standardisierung von Prozessen auf Bundes- und Landesebene sind überfällig. Dies gilt auch für Baugenehmigungen. Dies liegt im Interesse nicht nur der Wirtschaft, sondern aller Bürgerinnen und Bürger.
Bei Großprojekten hat die von der SPD-geführte „Ampel“-Koalition das Deutschland-Tempo eingeführt. Darunter ist zu verstehen, dass Verwaltungsentscheidungen kurzfristig und vorläufig getroffen werden können.
Zudem sollte das nationale Lieferkettengesetz frühzeitig an die neue EU-Richtlinie angepasst werden, um eine größtmögliche Wettbewerbsgleichheit im Europäischen Binnenmarkt herzustellen.
Auch eine Rationalisierung und Automatisierung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) sind neben dessen Ausbau notwendige Schritte.
Schließlich müssen beim Datenschutz zusätzliche Erleichterungen und Ausnahmen für Selbständige und KMU gefunden werden.
- Fachkräftemangel beseitigen – nationale Potenziale nutzen und Qualifizierung fördern
Der Fachkräftemangel stellt eine der größten Herausforderungen für den deutschen Arbeitsmarkt dar. Um alle verfügbaren nationalen Potenziale ausschöpfen, sind gezielte Maßnahmen in Lehrplänen zur besseren fachlichen Qualifikation grundsätzlich ins Auge zu fassen.
Ein weiterer zentraler Ansatzpunkt ist die kostenlose Weiterbildung und Zweitausbildung in anerkannten Mangelberufen. Insbesondere die Meister- und Technikerausbildung sollte kostenfrei angeboten werden, um den Nachwuchs in handwerklichen und technischen Berufen zu sichern.
Zudem ist es unerlässlich, den Anteil der Frauen an der Erwerbstätigkeit weiter zu fördern. Insbesondere die Förderung weiterer flexibler Arbeitszeitmodelle, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gewährleisten, sind für junge Familien zu schaffen. Dies erfordert den Ausbau von Kindertagesstätten und Ganztagsschulen.
Die konsequente und vereinfachte Umsetzung des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes ist ebenso notwendig. Dies umfasst die bessere Anerkennung von (Teil)Qualifizierungen sowie die berufsbegleitende Sprachqualifizierung, um die Integration internationaler Fachkräfte in den deutschen Arbeitsmarkt zu beschleunigen.
b) Wohnen und Bauen in der Zukunft für eine intakte Umwelt und ein friedliches Miteinander
Das Wohnen und Bauen der Zukunft steht vor der Aufgabe, auf die drängenden ökologischen und sozialen Herausforderungen unserer Zeit Antworten zu finden. Um eine lebenswerte Zukunft zu sichern, müssen wir Wohn- und Baukonzepte entwickeln, die sowohl die Umwelt schützen als auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken.
1. Nachhaltiges Bauen für eine intakte Umwelt
Umweltfreundliches Bauen ist der Schlüssel zu einer nachhaltigen Zukunft. Angesichts des Klimawandels und schwindender Ressourcen muss der Fokus auf energieeffizienten Bauweisen, ökologischen Baustoffen und einer Reduzierung des CO?-Fußabdrucks liegen. Zukünftige Bauprojekte sollten den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes berücksichtigen: von der Planung über die Errichtung bis hin zur Nutzung und Wiederverwertung von Materialien. Bei zukünftigen Neubauprojekten sind Maßnahmen zu Hochwasser und Hitze wie auch die Berücksichtigung von Frischluftschneisen einzubeziehen.
Nachhaltige Materialien: Beim Bau sollten verstärkt natürliche und recycelbare Baustoffe verwendet werden, die eine geringere Umweltbelastung verursachen. Auch das Upcycling von Bauabfällen spielt eine immer größere Rolle, um die Ressourcenschonung weiter voranzutreiben. Diese müssen für Planer wie ausführende Firmen Regelungen zum Haftungs- und Gewährleistungsausschluss gefunden werden. Bewertet werden sollte nur die Qualität der Arbeit, da für gebrauchtes Material eventuell Prüfzeugnisse und Zulassungen überholt sind.
Einheitliche bundesweit geltende und beschleunigte Genehmigungsverfahren müssen zeitnah umgesetzt werden.
Grüne Infrastruktur: Neben der langfristig erforderlichen Umgestaltung von Stadtlandschaften helfen kurzfristig begrünte Dächer und Fassaden der Kühlung und der Verbesserung des Mikroklimas. Zudem kommen auch mit Wasser gespeiste Fassadenkühlsysteme in Frage; die dabei gewonnene Wärme kann z.B. zur Brauchwasserbereitung verwendet werden.
2. Konzepte für ein friedliches und inklusives Miteinander
Neben ökologischen Aspekten spielt der soziale Zusammenhalt eine entscheidende Rolle. Wohn- und Bauprojekte der Zukunft müssen darauf abzielen, Gemeinschaft zu fördern und den Austausch zwischen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen zu erleichtern. Denn ein friedliches Miteinander entsteht dort, wo Menschen sich begegnen, voneinander lernen und gemeinsam Verantwortung übernehmen. Um die Schaffung bezahlbaren Wohnraums für Investoren attraktiver zu machen, kann eine Orientierung am „Wiener Modell“ vorgenommen werden. Gebäude können Wohnungen unterschiedlicher Anordnung und Ausstattung und damit unterschiedlicher Mietniveaus und sogar geförderten Wohnraum enthalten.
Gemeinschaftsorientierte Wohnformen: Innovative Wohnformen wie Co-Housing-Projekte, Mehrgenerationenhäuser oder Wohngemeinschaften, aber auch Mitarbeiter-Wohnungen für KMU und Handwerk sowie das Gewerbe vor Ort sind bei diesen Planungen ein wichtiger Faktor. Dazu sollen der Ausbau von Fördermaßnahmen zum Werkswohnungsbau wie auch die entsprechende Ergänzung des Wohnraumförderungsgesetz – WoFG umgesetzt werden. Länder sollen dahingehend beraten, wie Kommunen im Rahmen der Vergabe ihrer Flächen Firmen zum Werkswohnungsbau verpflichten können und wie sie eine Vermittlungsstelle für Baugemeinschaften einrichten, damit sich mehrere Firmen zum gemeinsamen Werkswohnungsbau zusammen schließen können.
Genossenschaften spielen beim Wohnungsbau eine große Rolle. Das gilt besonders in städtischen Regionen, in denen der Wohnraum knapp und teuer ist. Bezahlbarer Wohnraum kann geschaffen werden, weil die Mieten nicht am Profit, sondern am Erhalt der Wohnungen orientiert sind. Gewinne dienen zudem der Modernisierung. Weitere Vorteile liegen auf der Hand. Genossenschaften sorgen für eine gute Nachbarschaft, stärken das Miteinander und helfen Isolation zu begegnen.
Cluster-Wohnungen schaffen Raum für ein solidarisches Miteinander. In solchen Modellen teilen die Bewohner Gemeinschaftsräume wie Küchen, Werkstätten oder Gärten und unterstützen sich gegenseitig im Alltag.
Sie fördern nachhaltiges Bauen und für Energieeffizienz. Mitglieder haben Mitspracherechte.
Inklusive Quartiersentwicklung: Eine moderne Stadtplanung sollte soziale Durchmischung unterstützen, um soziale Isolation und Gentrifizierung entgegenzuwirken. Inklusive Quartiere bieten Wohnraum für Menschen unterschiedlichster Herkunft, Altersgruppen und sozialer Schichten. Barrierefreie Wohnungen, gut erreichbare soziale Infrastruktur und öffentliche Treffpunkte wie Gemeinschaftszentren oder Parks tragen dazu bei, dass sich alle Bewohner wohlfühlen und aktiv am Zusammenleben teilnehmen können.
Zu einem Quartier der kurzen Wege gehört das Gewerbe. Für Gewerbeimmobilien muss das Mietrecht auf den Prüfstand gestellt werden. Wird durch Mieterinnen und Mieter ein Objekt aufgewertet, steigen die Mieten sprunghaft nach oben, so dass sich die Mietverhältnisse oft nicht aufrechterhalten werden können. Steigerungen bei Gewerbemieten müssen ähnlichem Schutz unterworfen werden wie Wohnungsmieten. Traditionsunternehmen sind in den Milieuschutz- und damit in die Erhaltungssatzungen mit aufzunehmen.
Diese Form des Zusammenlebens fördert nicht nur den Austausch, sondern reduziert auch den Flächenverbrauch und den individuellen Ressourcenbedarf.
Ein wichtiger Baustein ist das Wohnen mit einer zu schaffenden Anbindung an die Ballungsgebiete und eine funktionierende Nahversorgung für das Leben im ländlichen Raum. Neben dem Deutschlandticket ist eine Verdichtung der Takte und Verbesserung des ÖPNV vom Land in die Stadt zu optimieren.
Im ländlichen Raum gibt es in vielen Kommunen beträchtlichen Leerstand, sowohl bei älteren Wohn- wie bei Gewerbeimmobilien, die sich eignen würden, in Wohnraum umgenutzt zu werden. Umwandlungsvorhaben sind in die Neue Wohngemeinnützigkeit eingeschlossen. Ein Anreiz zum Erwerb kann durch die Anpassung der Abschreibungsmodalitäten an die für Neubauten geschaffen werden.
Intergenerationelles Wohnen: Wohnprojekte, die das Zusammenleben verschiedener Generationen fördern, schaffen Mehrwert für alle Beteiligten. Während junge Familien von der Lebenserfahrung älterer Menschen profitieren können, erhalten Senioren Unterstützung im Alltag und bleiben Teil einer lebendigen Gemeinschaft. Dies stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt und wirkt Vereinsamung entgegen.
3. Technologie und Digitalisierung als Push Faktor
Die Digitalisierung bietet enorme Chancen für das Wohnen der Zukunft. Smarte Technologien können dazu beitragen, Gebäude energieeffizienter zu machen, den Wohnkomfort zu erhöhen und den Alltag der Bewohner zu erleichtern. Dazu ist die Infrastruktur dringend auszubauen.
Smart Homes: Intelligente Gebäudeautomation ermöglicht es, den Energieverbrauch in Echtzeit zu optimieren. Sensoren können Temperatur, Licht und Luftqualität regulieren und so nicht nur den Wohnkomfort, sondern auch die Energieeffizienz steigern. Auch datenschutzrechtlich abgesicherte Sicherheitssysteme und barrierefreie Technologien können durch smarte Lösungen (z. B. Rufsysteme, Bewegungserkennung, Kamerasysteme zur Erhöhung der Sicherheit) verbessert werden, was insbesondere älteren Menschen zugutekommt. Dafür müssen Förderprogramme aufgelegt werden.
Digitale Plattformen für Gemeinschaftsorganisation: Apps und digitale Netzwerke erleichtern die Organisation gemeinschaftlicher Aufgaben und fördern das soziale Miteinander. Vom Carsharing über die gemeinsame Gartenpflege bis hin zu Nachbarschaftstreffen – digitale Plattformen können den Austausch und die Kooperation zwischen Bewohnern eines Viertels vereinfachen und stärken.
4. Ökonomie und Ökologie vereinen: Sharing-Modelle und Suffizienz
Ein zukunftsfähiges Wohnen bedeutet auch, den Ressourcenverbrauch durch gemeinsame Nutzung zu senken. Das Prinzip der Suffizienz – also das bewusste Maßhalten im Konsum – kann in Verbindung mit Sharing-Modellen zu einem nachhaltigeren Lebensstil führen.
Geteilte Ressourcen: Gemeinsame Nutzung von Infrastrukturen wie Waschküchen, Werkstätten oder Elektrofahrzeugen reduziert nicht nur Kosten, sondern auch den ökologischen Fußabdruck jedes Einzelnen. Diese Formen der Kooperation bieten außerdem die Möglichkeit, Nachbarschaften enger zusammenzubringen und das Gemeinschaftsgefühl zu stärken.
Flächenoptimierung und flexible Wohnformen: Modular aufgebaute Wohnungen oder flexible Grundrisse ermöglichen es, Wohnraum effizienter zu nutzen und den Platz an individuelle Bedürfnisse anzupassen. Kleine, gut geplante Wohnungen in Verbindung mit großzügigen Gemeinschaftsbereichen bieten eine umweltfreundliche und platzsparende Alternative zu traditionellen Wohnmodellen.
Die Einführung von BIM (Building Information Modeling) und die Weiterentwicklung von Robotik (z. B. Automatisierung der Baustelle, Exoskelette) gerade auch deren Einsetzbarkeit auf Baustellen werden die Baukosten senken. Wir unterstützen Forschungsprojekte zu innovativen Technologien und Robotik, die sowohl in der industriellen Fertigung wie auch in der Gebäude-Erstellung Verwendung finden.
Fazit:
Wohnen und Bauen der Zukunft muss sich an den Bedürfnissen der Menschen und der Umwelt gleichermaßen orientieren. Durch innovative und nachhaltige Bauweisen, gemeinschaftsorientierte Wohnkonzepte und den Einsatz moderner Technologien können wir Lebensräume schaffen, die ökologisch verträglich, sozial gerecht und wirtschaftlich tragfähig sind.
c) Wirtschaftsstandort Europa stärken
Die wirtschafts- und finanzpolitische Agenda der EU muss den internationalen und geopolitischen Herausforderungen angepasst werden. Grundlage dafür bieten die Berichte von Enrico Letta zur Zukunft des Binnenmarktes und von Mario Draghi zur EU-Wettbewerbsfähigkeit. Wir unterstützen alle Maßnahmen, die dazu dienen, den Standort Europa zu stärken. Dazu gehören u.a.:
1. Den globalen Wettbewerb auf allen Ebenen gestalten
Unsere Wirtschaft muss langfristig dem globalen Wettbewerb standhalten können.
Die inländische Produktion muss geschützt werden und die öffentlichen und privaten Investitionen müssen ermöglichen, sämtliche Abhängigkeiten zu reduzieren und Arbeitsplätze in Europa zu sichern. Dazu bedarf es der Handlungsfähigkeit aller öffentlicher Akteure, d.h. Verwaltungen von der Kommune bis zur EU-Administration brauchen ausreichende Ressourcen, um Pflicht- und Kernaufgaben zu erfüllen. Dies bedarf nicht nur der Reform der Schuldenbremse in Deutschland, sondern zusätzliche eigene Einnahmen durch die EU, beispielsweise durch Ausgleichzölle. Diese Einnahme sind ausschließlich zur Gestaltung der industriellen Transformation zu nutzen und kompensieren zeitweise staatliche Eingriffe anderer großer Wirtschaftsräume (BRICS, USA) zum Nachteil inländischen Unternehmen. Es muss gelingen, große Teile des Draghi-Berichts im Arbeitsprogramm der Kommission fest zu verankern und gleichzeitig den angekündigten Clean Industrial Deal mit wirksamen Maßnahmen auszustatten.
2. Gute Arbeit – Gute Renten in Deutschland und der EU
Der Vergleich der sozialen Absicherung von Selbständigen in der EU zeigt, dass EU und vor allem Deutschland weit von der angestrebten Harmonisierung entfernt sind. Österreich und Spanien sowie andere Länder zeigen, wie erfolgreich sozialdemokratische Politik auf diesem Gebiet sein kann. Der Rückgang des Interesses an einer selbstständigen oder unternehmerischen Tätigkeit in Deutschland ist direkt auf den Mangel von sozialer Absicherung zurückzuführen und gefährdet den Standort. Konkret fordern wir Pflichtversicherungen bei Rente, Gesundheit, Pflege. Die CoVID-Pandemie hat zudem die Sinnhaftigkeit einer Arbeitslosenversicherung und einer Bildungskarenz gezeigt.
Finanzielle Anreize, wie Steuer- und Beitragsvergünstigungen und flexible Arbeitsbedingungen, sollen ältere Arbeitnehmer länger im Arbeitsmarkt halten. Rentenaufschubprämien und eine rechtssichere Befristung für Beschäftigte nach Erreichen der Altersgrenze sind weitere Maßnahmen.
3. Faire Wettbewerbsbedingungen innerhalb der EU
Als selbständige Unternehmen, die sich in unserer AGS engagieren, kämpfen wir gegen Ausbeutung bei Subunternehmerketten und Arbeitsvermittlungen. In diesem Bereich brauchen wir resolute Maßnahmen, um den Missbrauch bei Subunternehmern zu stoppen. Die Richtlinie über die Plattformarbeit muss im Rahmen des Sozialen Dialogs so ausgestaltet werden, dass es für den Binnenmarkt einheitliche Regeln gibt zur rechtsklaren Unterscheidung zwischen Selbständigkeit und abhängiger Beschäftigung. Das neue EU-weite Lieferkettengesetz muss KMU-tauglich umgesetzt werden. Der Klimawandel macht an Landesgrenzen keinen Halt und die Regionen werden unterschiedlich betroffen sein oder, dass sie Verursacher sind. Die Stärke einer großen Gemeinschaft zeigt sich für alle, wenn Elementarschadenversicherungen in der EU gebündelt werden. Zusätzlich muss der bereits bestehende EU-Solidaritätsfonds aufgestockt werden.
4. Fachkräfte durch Einwanderung bzw. Integration, Anerkennung von Qualifikationen
Auch in der Migrationspolitik sind viele Maßnahmen erforderlich.
Deutschlands Wirtschaft leidet unter einem akuten Fachkräftemangel. Um diesem Mangel entgegenzuwirken, sind viele Maßnahmen erforderlich. Zu den
Ansatzpunkten zählt die Aus- und Weiterbildung der vorhandenen Arbeitskräfte ebenso wie die erfolgreiche Integration von Menschen mit Behinderungen oder Geflüchteten.Die Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland bekommt somit eine entscheidende Bedeutung. Besonders für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ist die Rekrutierung aus Drittstaaten jedoch erfahrungsgemäß komplex und teuer. Behördliche Prozesse sowie die Anerkennung der ausländischen Abschlüsse zur Arbeitsgenehmigung müssen beschleunigt werden.
Daher sind eine praxisnahe Umsetzung und die Interoperabilität mit bestehenden Systemen entscheidend für den Erfolg des sog. EU-Talentpools, zu dem die Maßnahmen zur Förderung der Anerkennung von Qualifikationen und der Lernmobilität gehören sollen. Die vereinfachte Anerkennung von Qualifikationen und die leichtere Validierung von Kompetenzen, die in Nicht-EU-Ländern erworben wurden, sind von zentraler Bedeutung für Arbeitgeber auf der Suche nach Fachkräften und für Drittstaatsangehörige, die Zugang zum EU-Arbeitsmarkt suchen und sich in die Aufnahmegesellschaften integrieren möchten.