v.li.n.r: Dr. Carsten Linnemann MdB, Beate Kowallik, Manfred RekowskiGutmensch und Kapitalist- Wie sozial kann ein Unternehmer heute sein?
Diese Frage stand am 9.03.2015 im Mittelpunkt einer Veranstaltung der HWK Düsseldorf in der Reihe: Fragen zur Wirtschaftsethik
Beantworten sollten diese Frage :
Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland und Dr. Carsten Linnemann MdB, Vors. der Mittelstandsvereinigung der CDU/CSU, MIT
Die Moderation lag bei Beate Kowallik, Redakteurin beim WDR.
Andreas Ehlert, Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf, übernahm die Einführung in die Veranstaltung.
Fragen der Besucher an die Gäste und ein Schlußwort von Axel Fuhrmann, Hauptgeschäftsführer der HWK Düsseldorf beschlossen eine interessante Veranstaltung.
Ein Text aus der Einladung gibt eine gute Einführung in das Thema:
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts untersuchte der Soziologe Max Weber die Zusammenhänge zwischen der „protestantischen Ethik“ und dem „Geist des Kapitalismus“. Viele der von Weber aufgeworfenen Fragestellungen sind bis heute aktuell und werden weiterhin kontrovers diskutiert. Auch über 100 Jahre später streiten wir leidenschaftlich über Grundsätze und ethische Verankerung unternehmerischen Handelns.
Was also bedeutet „gute Unternehmensführung“ heute? Wie können wir Arbeit so organisieren, dass sie als sinnstiftend empfunden wird? Also weder krank macht noch zum reinen Selbstzweck wird? Gehen wir einmal der Frage nach, ob die heutige Berufsauffassung, die wir tief verinnerlicht haben — wie es Weber nahelegt — religiös fundiert ist. Der hohe Stellenwert, den wir der Erwerbstätigkeit beimessen, wird in dem Moment zum Problem, in dem eine globalisierte Wirtschaft Menschen zu maximaler Flexibilität zwingt und die Wirtschaftsteilnehmer — bis auf einige große „Player“ — überfordert. Gleichzeitig hat sich auch der Anspruch an das, was Unternehmen und Unternehmer leisten sollen, verändert. Ein Unternehmer soll Macher und Krisenmanager, Vorbild und Förderer sein. Sind das überzogene Erwartungen und unsere sozialen Errungenschaften „wirtschaftsfeindlich“?
In der Begrüßung der Gäste erinnerte Andreas Ehlert, Präsident der HWK Düsseldorf, an das alte Prinzip des „Ehrbaren Kaufmanns“, der sich an Regeln hält. Der Faktor: Kapital dürfe nicht zum alleinigen Unternehmerziel werden. Die Soziale Marktwirtschaft sorge für Interessensausgleich zwischen allen am wirtschaftlichen Handeln Beteiligten, so Ehlert, der die Frage in den Raum stellte: "Gefährdet das Soziale die wirtschaftliche Existenz?" und: "Soll man den Sozialstaat abschaffen oder verteidigen?"
Moderatorin Kowallik gab diese Frage direkt weiter an Präses Rekowski, der sie so beantwortete: „Unternehmer müssen von Beidem etwas verstehen: Von Werteorientierung und Gewinnstreben. Die stereotype Unterscheidung: Gutmensch-Kapitalist führt nicht weiter!" „Verantwortung und Nachhaltigkeit müssen vereinbar sein“, so der Präses. Dieses bleibe aber eine Herausforderung. MIT-Chef Linnemann forderte stimmige Regeln, dann könne ein Unternehmer auch sozial sein. In Familienunternehmen seien Haftung und Handeln in einer Hand. Diese Unternehmen seien unter sozialer Kontrolle und würden sich in örtliche Strukturen einbringen. Einigen Euro-kritischen Bemerkungen folgte die Forderung Linnemanns, dass Politiker auch wieder nach Jahren in die Wirtschaft gehen können sollten, z. B. Merz und Koch. Unternehmer stünden unter Generalverdacht (Gauner oder doof?), so Linnemann weiter. Präses Rekowski entgegnete dazu, es gäbe auch Verantwortungslosigkeit bei Entscheidungsträgern. Linnemann will dazu „Rahmen setzen, aber richtig“. Als Negativ-Beispiel für Rahmen nannte er die geplante Arbeitsschutzverordnung. Der Präses entgegnete, der Staat müsse Rahmenbedingungen setzen, dürfe aber keine Überregulierung betreiben. Linnemann nannte mit Olaf Scholz und seiner Politik ein positives Beispiel: Eine starke Wirtschaft ermögliche einen starken Sozialstaat.
Die Moderatorin brachte das Thema: Mindestlohn in die Diskussion ein. Linnemann kritisierte die Umsetzung des Gesetzes, die alleine Aufgabe der Tarifparteien sei. Der Präses nannte den Mindestlohn: Gut und notwendig! Der Staat habe auch soziale Verantwortung für Schwache.
Ein weiteres Thema war die Ausbildung. Linnemann möchte nicht ausbildungsfähige Jugendliche fit machen, dann einstellen lassen. Rekowski will diese Jugendlichen „ an die Hand nehmen und deren Fähigkeiten entdecken“.
Die Frage der Moderatorin, wie sozial ein Unternehmer sein müsse, erinnerte der Präses an die "Verpflichtung durch Eigentum". Linneman möchte Unternehmer so sozial wie möglich, aber kein dem untergeordnetes Gewinn- streben.
Es folgten Fragerunden vom Publikum an die Podiums-Gäste und ein Schlußwort von Dr. Axel Fuhrmann, dem Hauptgeschäftsführer der HWK Düsseldorf. Dr. Fuhrmann fasste die Kernpunkte der Veranstaltung zusammen und beschloss die Veranstaltung.
Mein FAZIT als Gast: Präses Rekowski und MIT-Chef Linnemann MdB sehen beide den Unternehmer von Heute als sozial verpflichtet und verantwortungsvoll handelnd, und das nur in Nuancen unterschiedlich in ihren Aussagen. Die Veranstaltung beleuchtete das gegebene Thema von verschiedensten Blickpunkten aus. Man könnte allerdings zu Recht fragen: Kann ein Unternehmer heute überhaupt noch unsozial sein?
Das Handwerk gibt auf diese (umgedrehte) Frage eine klare Antwort: NEIN!
André Brümmer