Gastbeitrag

Arbeit und Wirtschaft

Gründung 50 plus – eine echte Chance

Gründungen ab dem mittleren Alter als Schlüsselfaktor für die Gesellschaft

Ein  Gastbeitrag von Detlev Scharenberg

Der Hintergrund ist einfach: Wir werden alle älter und dürfen länger arbeiten, bis es ohne Abschläge die Rente gibt. Wir sind länger gesund und körperlich fit, und viele Menschen in der zweiten Lebenshälfte möchten es sich noch einmal beweisen. Eine eigene Existenz als späte Gründung ist eine gute Alternative zu den Angeboten am Arbeitsmarkt.

 

 

Viele Unternehmen organisieren sich neu, und gerade langjährige, gut qualifizierte ältere Mitarbeiter sind betroffen, wenn es darum geht die Arbeitsplätze „sozialverträglich“ abzubauen. Dies betrifft besonders die Zielgruppe „50 plus“; wegen der meist schon ab einem Alter von 45 zu beobachtenden gleichen Interessenlage sind die Menschen der Altersgruppe der 45- bis 50-jährigen in diese Betrachtung bereits einzubeziehen. Wer sich mit „50 plus“ nicht auf das Rentnerdasein freuen kann oder will, zudem noch gute Ideen hat und sich als Geschäftsmann bzw. Geschäftsfrau wohl fühlt, kann noch eine Menge bewirken. Die Frauen und Männer jenseits der 45 sind oft gut ausgebildete und qualifizierte Fachkräfte bzw. Führungskräfte. Wie unter anderem aus einer RKW- Studie von 2013* ersichtlich, hat sich das Verständnis zu dem Thema in den letzten Jahren grundlegend geändert, auch durch die Förderung der EU und der OECD. Die Politik hat erkannt, dass es sinnvoll ist Menschen mit viel Berufserfahrung und guter Ausbildung für eine „Gründung mit Erfahrung“ zu motivieren und zu unterstützen. Dass dies positive Auswirkung auf die Sozialsysteme haben kann, ist unbestritten und führt dazu, dass die „Altersverarmung“ verringert werden kann. Hinzu kommt, dass Menschen, die hoch motiviert und erfolgreich ein eigenes Unternehmen aufbauen, sehr zufrieden sind und sich wohl fühlen. „Senior Entrepreneurship“ ist für viele eine neue Erfahrung, aber auch eine gute.

Es gibt zwei Hauptgruppen bei den „späten“ Gründungen: zum einen die Menschen, welche aus einer gut dotierten Anstellung in die eigene Existenz wechseln. Diese sogenannte „Chancengründung“ erfolgt oft nahtlos vom Angestelltenverhältnis in die Gründung. Besonders bevorzugt sind hier die beratenden Berufe, bei denen die GründerIinnen Ihre hohe Qualifikation und Erfahrung mit einbringen, aber auch ein gutes Netzwerk, das hilft sich neu zu organisieren. Die Investitionen halten sich meist in Grenzen, und es braucht oft nur wenig Kapital aufgenommen zu werden, eine Infrastruktur für die eigentliche Arbeit ist häufig vorhanden.

Die zweite Gruppe betrifft die Menschen in der Arbeitslosigkeit, von denen viele trotz intensiver Suche keinen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz gefunden haben. Für sie ist die Existenzgründung eine zusätzliche Möglichkeit, sich aus der Abhängigkeit von Transferleistungen zu befreien. Diese Art der Gründung wird auch als „Notgründung“ betrachtet. Das muss aber nicht so sein, denn es ist eine Chance für die Menschen, wenn sie denn die Voraussetzungen mitbringen.

Die Stigmatisierung der Zielgruppe GründerInnen in der „zweiten Lebenshälfte“ gilt es durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit abzubauen. Die Gründung „50 plus“ sollte in Deutschland als eine normale Form der Gründung und als individuelle Chance der jeweiligen Frauen und Männer begriffen werden. Für die Gesellschaft bedeutet sie eine zusätzliche Bereicherung und eine nachhaltige Stärkung der Vielfallt des Marktes.

Das verstärkte Interesse an den GründernInnen in der zweiten Lebenshälfte beruht auf dem demografischen Wandel und dem wirtschaftlichen Interesse, denn der Anteil der über 45zig Jährigen steigt ständig im Gegensatz zu den jüngeren Menschen im Erwerbsalter. Bei alledem ist die „späte Gründung“ nicht als Allheilmittel zu sehen, sondern als reale und unterstützenswerte Möglichkeit.

Menschen, die sich für eine „späte Gründung“ entscheiden, verfügen außerdem über einen anderen Hintergrund als junge GründerInnen mit 25 Jahren. Ein Beispiel: Oft ist die „späte Gründung“ eine sogenannte Nischengründung, bei der sich die Existenzgründung im direkten Umfeld des Gründers befindet. So sind gerade bei Frauen Gründungen in der Gesundheitsbranche und bei haushaltsnahen Dienstleistungen überproportional zu beobachten. Hier – im bekannten Umfeld – kann ein „Mikromarkt“ bedient werden, den überregionale Anbieter nicht abdecken.

Auch steigt – als gute Alternative zum Minijob – der Anteil der Gründungen im Nebenerwerb, denn die Erwerbschancen sind in der Selbstständigkeit besser. Auch die freie Entscheidung als „eigener“ Chef ist für viele GründerInnen eine wichtige Motivation. Gerade mit der Erfahrung im Angestelltenverhältnis möchten viele GründerInnen „50 plus“ es besser machen.

Die Erfolgsaussichten einer „späten Gründung“ werden als überwiegend gut angesehen, denn neben den schon genannten Merkmalen kommen innovative Ideen, eine hohe Motivation sowie eine über das Rentenalter liegende Erwerbstätigkeit hinzu.

Ein zusätzliche Möglichkeit der Gründung 45plus kann die Unternehmensnachfolge sein: Gerade im Handwerk und bei Dienstleistungsunternehmen ist oft die Unternehmensnachfolge nicht klar geregelt, und die Inhaber haben keinen Plan „B“. Berufserfahrene Angestellte über 45 mit dem Wunsch sich selbständig zu machen könnten hier eine bislang kaum genutzte Alternative sein ... wenn denn eine realistische Übergangsmöglichkeit geboten wird, welche einen fließenden Übergang vom „alten“ Chef zum Gründer „50 plus“ ermöglicht. Dies setzt aber die Bereitschaft voraus, mit realistischen Vorstellungen und sachlich das Unternehmen zu bewerten. Hier könnten dann auch Arbeitsplätze gesichert werden, die ansonsten durch die Schließung des Unternehmens verloren gehen.

Als Hemmnisse können altersbedingt nachlassende Gesundheit und die physische Belastbarkeit gesehen werden. Bei höheren Investitionskosten wirkt sich die kürzere Wertschöpfungsphase nachteilig aus. Dies ist bei der Planung für eine „Späte Gründung“ besonders zu berücksichtigen. Denn es soll den GründernInnen ja besser gehen.

Unter anderem deshalb bringen die berufserfahrenen GründerInnen – gemessen an den individuellen Bedürfnissen – aber auch einen unterschiedlichen Beratungsbedarf mit sich. Ältere GründerInnen sind aufgrund ihrer Lebens- und Berufserfahrung und ihrer Lebensphase nicht ohne Weiteres mit jungen GründerInnen vergleichbar und wünschen daher auch eine andere Vorgehensweise bei der Beratung. Es bedarf mehr Einfühlungsvermögen und eine abgestufte Vorgehensweise, die durch persönliche Gespräche sowie durch individuelle Qualifizierungen und Wissensvermittlung abgerundet wird. Oft genügen punktuelle Wissensergänzungen und Informationen zu den möglichen Förderungen für die geplante Gründung, wie sie beispielsweise von der KfW oder den Arbeitsagenturen angeboten werden.

Es wird deutlich dass die Menschen jenseits der 45 ein großes Potenzial haben und sich auch im fortschreitenden Alter aktiv am Erwerbsleben beteiligen können. In der Gesellschaft ist dies nur noch nicht so erkannt und zu Ende gedacht, denn die unzureichende Anerkennung und das Klischee der geringeren Leistungsfähigkeit älterer Menschen sind weit verbreitet und kann als latente Altersdiskriminierung angesehen werden. Hier befinden wir uns als Gesellschaft erst am Beginn einer Entwicklung, die viele Möglichkeiten der wirtschaftlichen Aktivität der älteren Generationen ermöglichen. Die Förderung der GründerInnen „50 plus“ bzw. der Menschen in der zweiten Lebensphase ist ein Gewinn für die Gesellschaft und hilft auch den nachwachsenden Generationen.

Köln/Leverkusen im März 2014

Detlev Scharenberg

 

Mehr zu Detlev Scharenberg:

Handelsfachwirt, Existenzgründungsberater und Coach

Metropolregion Rhein-Ruhr in Köln/Leverkusen, Gerichtsstr. 12

und in Hamburg, Bremen, Hannover, Köln/ Leverkusen, München, Berlin, Coburg, Stuttgart

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