Der Westdeutsche Handwerkskammertag hat inseinem WHKT- Report Ausgabe 9/2024 ein neues Projekt Vorgestellt:
Machbarkeitsstudie: Wege der Unterstützung für Selbständige im Handwerk während der Schwanger- und Mutterschaft
Großen Zuspruch erhielt auch die Aktion:
Selbstständigkeit als Perspektive für Frauen in ländlichen Räumen – Gründung und Nachfolge
WHKT-REPORT 09/2024 DES WESTDEUTSCHEN HANDWERKSKAMMERTAGES
NEUES PROJEKT:
Machbarkeitsstudie: Wege der Unterstützung für Selbständige im Handwerk während der Schwanger- und Mutterschaft
Zum 1. September 2024 wurde das Projekt »Machbarkeitsstudie: Wege der Unterstützung für Selbständige im Handwerk während der Schwanger- und Mutterschaft« ins Leben gerufen. Ziel des Projekts ist, Hemmnisse und Lösungsansätze zur persönlichen und betrieblichen Absicherung von Selbständigen systematisch zu betrachten und Aussagen zur Machbarkeit zu treffen. Der Fokus liegt dabei auf der Untersuchung von Modellen und Möglichkeiten, die im Handwerk umsetzbar sind.
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist nicht nur für Arbeitnehmerinnen ein zentrales Lebensthema, sondern auch für Selbständige, Gründungs- oder Übernahmewillige. Das Alter bei einer Unternehmensgründung liegt häufig in der Altersspanne einer Familiengründung oder -erweiterung. Schwangerschaft und Geburt können dazu führen, dass die Erwerbstätigkeit stark eingeschränkt werden muss. Für einen kleinen Betrieb kann der Ausfall der Geschäftsführerin, Meisterin oder Einzelunternehmerin nicht selten den Betriebsstillstand bedeuten. Gleichzeitig ist auch die persönliche Absicherung in den Zeiten gefährdet, da Selbstständige im Gegensatz zu Arbeitnehmerinnen nicht automatisch über das Mutterschutzgesetz abgesichert sind.
Im Sinne des öffentlichen Interesses an der Stärkung der Selbständigkeit von Frauen ist es von großer Bedeutung Hemmnisse abzubauen, die ausschließlich Frauen im Rahmen einer Selbständigkeit betreffen. So hat die vom Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag des BMFSFJ im Frühjahr 2024 durchgeführte Bedarfsanalyse zum Mutterschutz für selbstständige Frauen ergeben, dass 85% der befragten selbstständigen Frauen eine Verbesserung der Rahmenbedingungen durch den Staat beim Mutterschutz für Selbstständige befürworten. Gleichzeitig leistet die Frauenförderung einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung des besonders im Handwerk seit langem bestehenden akuten Fachkräftemangels. Die Suche nach neuen Wegen der Unterstützung für schwangere Selbständige im Handwerk ist daher ein wichtiger Beitrag zur »Fachkräfteoffensive NRW«.
Im öffentlichen Raum werden viele verschiedene Vorschläge und Ideen diskutiert und mehr oder weniger stark verfolgt. Lösungsvorschläge betreffen beispielsweise die Bereitstellung praktischer Hilfe im Rahmen ehrenamtlicher Strukturen oder als Sozialleistung, die Schaffung monetärer Ausgleichsleistungen und Versicherungsangebote, die Sensibilisierung im Rahmen von Ausbildung und Gründungsberatung sowie die Schaffung von Netzwerken. Die Enquete »Zukunft von Handwerk und Mittelstand in Nordrhein-Westfalen« aus dem Jahr 2015 befasste sich bereits intensiv mit dem Thema und regte an, im Handwerk nach dem Vorbild der Landwirtschaft eine Betriebshilfe für inhabergeführte Unternehmen und Selbstständige einzuführen.
Es gilt nun, die Vorschläge im Rahmen des Projekts einer wissenschaftlichen Betrachtung zu unterziehen. Wir freuen uns, zu dem Thema mit Interessierten in den Austausch zu kommen. Bei Fragen oder Anregungen steht die zuständige Ansprechpartnerin Frau Sophia Shen (0211 3007-765, sophia.shen@whkt.de) zur Verfügung.
Das Projekt wird gefördert durch das Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen.
GROSSER ZUSPRUCH
Selbstständigkeit als Perspektive für Frauen in ländlichen Räumen – Gründung und Nachfolge
Gründungen von Frauen stärken die Frauen selbst, aber auch die Wirtschaftskraft in ländlichen Räumen. Frauen sind hochqualifiziert und bringen ihre Stärken und Lebenserfahrungen ein. Voraussetzungen für Gründungen und Unternehmensnachfolge sind neben möglichst gleichberechtigter Verteilung von Care-Arbeit, Ehrenamt und Erwerbsarbeit gute Rahmenbedingungen. Dies umfasst angemessene Finanzierungsmöglichkeiten, eine stabile Infrastruktur, andere Unternehmerinnen als Vorbilder oder auch eine frauenspezifische Gründungsberatung.
Aus diesem Anlass heraus haben das Zentrum für Ländliche Entwicklung im Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen und der WHKT gemeinsam zur Veranstaltung »Selbstständigkeit als Perspektive für Frauen in ländlichen Räumen – Gründung und Nachfolge« eingeladen, um bei einem Informations- und Erfahrungsaustausch am 23.08.2024 einen Einblick zu erhalten, wie die Selbstständigkeit von Frauen in ländlichen Räumen momentan aussieht und wie diese weiter gestärkt werden kann.
Das Programm war vielfältig: Frau Dr. Rosemarie Kay vom Institut für Mittelstandsforschung beschrieb in ihrem Einstiegsvortrag die Situation und die Perspektiven von Frauen als Unternehmerinnen in ländlichen Räumen. Mit Frau Kirsten Gierse-Westermeier, Frau Carolin Roters und Frau Friederike Tebbe haben drei erfolgreiche Frauen ihre Erfahrungen aus der Praxis rund um das Unternehmertum eindrucksvoll geschildert. Abgerundet wurde die Veranstaltung durch Vorträge zu Fördermöglichkeiten durch Simone Plum und Hanna Schillings von der NRW.Bank sowie zu den Beratungen durch die Handwerkskammern durch Frau Kristina Pelz von der Handwerkskammer Düsseldorf.