Wir-Zusammen – Integrations-Initiativen der deutschen Wirtschaft
„Wir zusammen“ bündelt die Integrations-Initiativen der deutschen Wirtschaft zu einem Netzwerk, dessen Mitglieder sich dauerhaft dem Thema Integration widmen und dieses vorantreiben. Dazu führen die teilnehmenden Unternehmen eigenständige Integrationsprojekte durch und untermauern diese mit verbindlichen Patenschaften. Als gemeinsame Plattform dient die Website www.wir- zusammen.de.
Für Medienkontakt zuständig ist Frau Marlies Peine. Mit ihr führte Susanne Brefort ein Interview:
Interviewfragen an Marlies Peine, "Wir zusammen"
Frau Peine, die Veranstaltung im ThyssenKrupp Quartier in Essen war beeindruckend und hat viele Möglichkeiten aufgezeigt. Welche Art Unternehmen ist an dem Projekt "Wir zusammen" eigentlich beteiligt? Sind das nur große Konzerne?
Unternehmen aus allen Branchen – Handwerk, Dienstleistung oder produzierende Industrie. Auch die Größe der Mitglieder ist sehr unterschiedlich. Es gibt Kleinstunternehmen mit bis zu 5 und ebenso große Dax-Konzerne mit mehreren Tausend Mitarbeitern. Wir stehen für alle Unternehmen, die sich in der Flüchtlingsintegration engagieren. Nicht ohne Grund lautet unser Motto: Jede Hilfe zählt!
Wie können kleine und mittelständische Unternehmen überzeugt werden, Praktika und Ausbildungsplätze für Geflüchtete zur Verfügung zu stellen?
Laut Bundesbildungsministerium sind derzeit über 40.000 Ausbildungsstellen nicht besetzt. Das zeigt, wie groß der Bedarf an neuen Mitarbeitern ist und welche Probleme wir in Zukunft bei der Stellenbesetzung haben werden.
Auch wenn die Integration von Flüchtlingen in Arbeit eher komplex ist, bietet sich hier ein großes Potenzial, neue Arbeitskräfte für seinen individuellen Bedarf zu finden. Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen empfehle ich, sich mit den Experten der Kofa auszutauschen. Sie stellen Willkommenslotsen zur Verfügung, die über alle relevanten Themen wie Qualifizierung, Berufsanerkennung, Förderungen und rechtliche Fragen beraten und aufklären können. Erste Informationen finden Interessierte auf der Website www.Kofa.de.
Ist der bürokratische Aufwand für die Einstellung von Geflüchteten nicht enorm groß?
Auch wenn sich die bürokratischen Prozesse über die Zeit verbessert haben, darf man den Aufwand nicht unterschätzen. Aus diesem Grund rate ich allen, die aktiv werden möchten, sich an Experten zu wenden. Wichtig ist, zunächst herauszufinden, was man gemeinsam mit seinen Mitarbeitern umsetzen kann. Sind es zunächst Praktika, Erstqualifizierungen oder doch die langfristigen Ausbildungen. Neben den lokalen Stellen der Bundesagentur für Arbeit und den genannten Willkommenslotsen der Kofa können auch Unternehmen, die bereits erfolgreich in der Integration tätig sind, zur Orientierung dienen. So sind unserer Mitglieder sehr offen, ihre Erfahrungen zu teilen, um weitere Unternehmen zu motivieren, ebenfalls aktiv zu werden. Denn gerade die Unternehmen, die seit letztem Jahr aktiv sind, haben mittlerweile einen großen Erfahrungsschatz an bürokratischen Hürden und dem Auf- und Ausbau der Projekte. Hier können wir gern behilflich sein und Kontakte herstellen.
Wie genau unterstützt das Netzwerk die Unternehmen?
Ein Großteil unserer Arbeit besteht natürlich darin, innerhalb des Netzwerks Unternehmen zusammenzubringen, die um den Rat und die Expertise anderer Mitglieder bitten. Hier schaffen wir die Brücke für einen direkten Austausch.
Ein noch bedeutender Aspekt unserer Arbeit ist aber langfristig Lösungen für die noch vorhandenen Herausforderungen der Integrationsarbeit zu entwickeln. So haben wir seit Start unseres Netzwerks viele wichtige Kontakte in Politik, Behörden und Institutionen aufgebaut. Gezielt über unser Projektbüro oder auch gemeinsam mit unseren 200 Unternehmen wollen wir zu den wichtigsten Herausforderungen in der Integration die notwendige Aufmerksamkeit schaffen und sukzessive Impulse geben, um neue Prozesse mitzugestalten.
Inwiefern profitieren denn Unternehmen von Mitarbeitern mit Fluchtgeschichte?
Da gibt es viele Vorteile. Die stärksten Argumente für die Einstellung von Flüchtlingen ist natürlich der Mangel an Arbeitskräften. Viele unserer Unternehmen haben erkannt, dass sie die Geflohenen – auch wenn diese nicht immer die gewünschte Qualifikation vorweisen können – ganz gezielt auf ihren Bedarf hin ausbilden können. Darüber hinaus berichten die Unternehmen, wie positiv sich die Unternehmenskultur entwickelt. Es entsteht eine ganz neue Art des Miteinanders am Arbeitsplatz. Und schließlich muss man ganz klar darauf hinweisen, dass die Flüchtlinge oft hoch motiviert und unglaublich dankbar für eine neu gewonnene Chance sind, sich ein neues Leben aufzubauen. Und das ganz unabhängig davon, ob sie für immer in Deutschland bleiben oder eines Tages wieder in ihre Heimat zurückkehren.