Arbeitsgemeinschaft Selbständige in der SPD, AGS:

Für eine soziale, nachhaltige und ökologische Wirtschaft

Wir zusammen schaffen Zukunft

Veröffentlicht am 17.07.2017 in Veranstaltungen

Wir zusammen:

Unternehmen schaffen Platz für Flüchtlinge

 

Unter dem Titel "Wir zusammen schaffen Zukunft. Erfolgreiche Integration von Flüchtlingen in Industrie und Handwerk" luden Anfang Juli das Netzwerk "Wir Zusammen" und das Handelsblatt zu einem Informationsabend nach Essen.

Veranstaltungsort war das Thyssen-Krupp-Quartier, wie kaum ein anderer Ort geeignet für einen Blick in die Zukunft. In kurzweiliger Folge gab es hier Informationen aus erster Hand zu den verschiedenen Aspekten von Qualifikation, Arbeit und Ausbildung für Geflüchtete.

 

Moderator Christian Rickens führte durch die Veranstaltung. Den Auftakt machten Marlies Peine, Projektleiterin und Sprecherin von "Wir zusammen" (siehe Interview) und Ariane Derks, Personalleiterin von ThyssenKrupp, die das Projekt vorstellten und wie alle Teilnehmer der Veranstaltung im Anschluss für Fragen zur Verfügung standen.

Jutta Cordt, Präsidentin des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) war eigens für die Veranstaltung angereist und stand Rede und Antwort. Cordt berichtete von der Arbeit der Behörde und verwies nachdrücklich auf die jedem Unternehmen zustehende Unterstützung durch die Arbeitsagentur.

 

Das kulturelle Intermezzo wurde gestaltet von Betül Demir, die unter dem Titel "I, slam" feinsten Poetryslam mit Migrationshintergund ablieferte - den einen oder anderen wird sie zum Nachdenken gebracht haben: "Man kann die Farbe Grün nicht zwingen, sich für Gelb oder Blau zu entscheiden!" Deutlicher hätte man den Standpunkt einer Migrantin nicht auf den Punkt bringen können.

 

Haupt- und Kernstück der Veranstaltung war eine Gesprächsrunde mit drei Unternehmensvertretern, die über ihre Erfahrungen mit der Integration von Geflüchteten berichteten. Wolfgang Anthes, Geschäftsführer von Open Grid Europe, Ariane Derks, ThyssenKrupp, und Uwe Tigges, Personalvorstand und Arbeitsdirektor von innogy erzählten aus der Praxis: dass manchmal eben nicht alles einfach sei, dass das Projekt ihnen allen aber große Freude bereitet habe: unterm Strich haben die positiven Erfahrungen überwogen.

So unterschiedlich die Schwerpunkte der Unternehmen sind, Tigges brachte es auf den Punkt: "Machen Sie einen Schritt nach dem anderen. Trauen Sie sich!"

Insbesondere die behördliche Unterstützung lobten alle Teilnehmer der Runde, alle wollen das Projekt "Flüchtlinge in Unternehmen bringen" fortführen und alle drei betonen, dass das, was zunächst als humanitäre Geste begonnen habe, mittlerweile ein hochinteressantes Recruiting-Instrument darstelle.

Heikles Thema seien die sehr unterschiedlichen Deutschkenntnisse der Geflüchteten und die oft nicht vorhandenen formalen Abschlüsse. Für beides aber, so war sich die Runde einig, ließen sich Lösungen finden.

 

Im Anschluss an diese Runde berichteten zwei junge Geflüchtete von ihren Erfahrungen mit Programmen der Deutschen Universitätsstiftung. Hier gibt es ein besonderes Projekt, das begabte Studierende mit Fluchtgeschichte fördert und unterstützt, z.B. Stipendien vergibt und Mentoren vermittelt. Auch Cornelia Kliment, Geschäftsführerin Deutsche Universitätsstiftung, lobte das Engagement der Studierenden und warb um Unterstützung für das Programm.

 

Zum Schluß warben Paula Risius, Researcher vom Institut der Deutschen Wirtschaft, und Torsten Withake, Geschäftsführer Arbeitsmarktmanagement der BA, ausdrücklich um den Mittelstand: gerade für Kleine und Mittelständische Unternehmen eröffnen sich hier Möglichkeiten des Personalrecruitings, was angesichts des in Teilen Deutschlands bereits eklatanten Fachkräftemangels ein großes Thema sei. Natürlich, so Withake, gehe es dabei nicht nur um die Unternehmen, sondern auch darum, Geflüchtete in den deutschen Arbeitsmarkt zu integrieren: "Wir müssen in eine grundständige Ausbildung inverstieren. Qualifizierung ist wichtig!"

Auch erinnerte Withake noch einmal daran, dass jedem Unternehmen die Beratungsleistungen der Arbeitsagenturen kostenlos zur Verfügung ständen, in vielen Städten seien auch bereits Info-Points für die Vermittlung von Flüchtlingen eingereichtet.

 

Insgesamt eine gut moderierte, hoch informative Veranstaltung, flankiert von vielen Informationsmöglichkeiten. Gerade für Kleine und Mittlere Unternehmen kann die Einstellung von Geflüchteten eine echte Chance sein, auf einem schwierigen Arbeitsmarkt gutes Personal und hoch motivierte Auszubildende zu bekommen.

 

Informationen für interessierte Unternehmen unter http://www.wir-zusammen.de/home

Bild: Auf der Bühne im Vortragssaal im neuen ThyssenKrupp-Quartier: Marlies Peine, Projektleiterin und Sprecherin "Wir zusammen", Moderator Christian Rickens, Ressortleiter Agenda Handelsblatt, Ariane Derks, Head of CSR thyssenkrupp